Mit ‘Projektmanager’ getaggte Beiträge


Gestern Abend fand im Rahmen der Langen Nacht der ZEIT eine informations- und Diskussionsrunde zum Thema Olympia – Riesenchance für Hamburg? statt.

In eineinhalb Stunden wurde das Thema von involvierten Fachleuten unterschiedlicher Funktionsbereiche erläutert und zur Diskussion gestellt. Mit dabei der Projektmanager Klaus Grewe, der Blogger und Negierer von Olympia in Hamburg Dirk Seifert, dem Journalisten Marc Widmann (DIE ZEIT) und Moderator Partrick Schwarz (DIE ZEIT).

Aktuell befindet sich das Projekt im Status der Erhebung. Projektmanager Grewe und sein Team tragen alle Informationen zusammen, die später zu berücksichtigen sein werden, um diese im Anschluss daran mit den Entscheidungsparametern hinterlegen zu können. Ende des Jahres werden diese Zahlen und Fakten den Bürgern inklusive der Risikofaktoren transparent offen gelegt, so dass eine fundierte Abstimmung über Pro und Contra Olymia in Hamburg möglich sein wird.

Das Interesse an dieser Veranstaltung war gut. Es waren alle Altersgruppen von schätzungsweise 18 bis 88 Jahren vertreten. Einige Teilnehmer reisten sogar aus anderen Städten – Süddeutschland – an.

Zu Beginn wurde ein Meinungsbild abgefragt. Das Gros der Anwesenden war für Olympia in Hamburg, einige hatten noch keine klare Meinung dazu gefasst und einige wenige waren dagegen. Weitaus weniger als ich vermutet hatte, jedoch nicht so wenige als dass man behaupten könne, Überzeugungsarbeit sei nicht mehr notwendig. Am Ende der Diskussion wurde dieses Meinungsbild noch einmal abgefragt und einige hatten ihre Meinung von einem Nein zu einem Ja geändert.

Klaus Grewe hat bereits in London an der Umsetzung maßgeblich und erfolgreich partizipiert. Dort hat die Austragung viele Vorteile nach sich gezogen. Die Gründe lagen vor allem in der nachhaltigen Planung, die ein Nutzungskonzept nach Olympia und eine kostenbewusste Umsetzung insbesondere an die Anforderungen der Bürger vorsah. Es ginge, so Grewe, nicht im Kern um die zwei Wochen Olympia, sondern um die Vorteile, die insgesamt daraus für Stadtentwicklung, wirtschaftliche Faktoren und vor allem aber auch der Beschleunigung von infrastrukturellen Maßnahmen beitragen kann und wird. Viele neue Arbeitsplätze vor allem für Wilhelmsburg werden erwartet und in Anlehnung der Erfahrung in Stockholm wird man eine deutliche Steigerung der Lebensqualität erwarten dürfen. Selbstverständlich sind das nur Annahmen, denn einen Benchmark gäbe es für Olympia nicht, die Austragungsorte seien nicht vergleichbar.

Grewe schätzt die Chancen für Hamburg sehr gut ein. Aber bis dahin ist es ein noch weiter Weg. Zunächst erfolgt die Entscheidung USA oder Europa und dann muss die deutsche Stadt sich gegen weitere ernstzunehmende Bewerber aus dem europäischen Raum behaupten.

Dirk Seifert, Blogger, setzt sich seit 1,5 Jahren mit der Thematik auseinander. Er ist gegen Olympia in Hamburg und bemängelt vor allem die Motivation. Diese sei nicht der Sport, sondern es handle sich vielmehr um rein wirtschaftliche Interessen einiger weniger einflussreicher Unternehmen mit Unterstützung der Handelskammer. Es werden keine Zahlen veröffentlicht, aber es werde mit mehreren Milliarden gerechnet, die bewegt werden müssen. Und die Diskussionen um die Kosten werden erneut beginnen, wenn die Entscheidung des IOC vorläge.

Proteste sind aktuell leise, jedoch wird mit ihnen gerechnet werden müssen, sobald die Aktivitäten gestartet sein werden. Erst wenn der Bürger die Auswirkungen spürt, wird er aktiv werden, so Seifert, der sich nicht als Protestler oder Widerständler sieht. Sein Anliegen ist vielmehr, dass man nicht naiv an die Bewertung herangehen und die Vor- und Nachteile fundiert betrachten solle, bevor eine Entscheidung getroffen werden könne. Und zu den zu betrachtenden Aspekten gehöre eine realistische Einschätzung der erhofften Vorteile. Das Zusammenführen vom nördlichen und südlichen Teil Hamburgs ist mehrfach probiert worden, jedoch blieben alle Maßnahmen mehr oder weniger erfolglos. Warum sollte das ausgerechnet bei Olympia anders verlaufen? Ein für ihn haltloses Argument.

Marc Widmann, DIE ZEIT, führte bereits im Januar ein Interview mit dem Projektmanager Klaus Grewe über die Olympia-Entscheidung. In diesem Interview ging es u.a. um die Beschleunigung bei der Beantragung und Bewilligung von finanziellen Mitteln, um die nachhaltige Planung, um die Anbindung des südlichen Hamburgs und um die Chancen Hamburgs als Austragungsort im Vergleich zum Berliner Konzept. ( DIE ZEIT, 08.01.2015 No.2 ).

Um den kleinen Grasbrook für Olympia nutzen zu können, müssen jedoch zunächst einmal einige Firmen umgesiedelt werden. Aktuell erscheint das Gebiet durch Bananenfrachter und alte gelagerte Automobile unattraktiv, gehört aber mit zum Wirtschaftsraum des Hafens. Wird es möglich sein, den für eine Umsiedlung notwendigen Raum zu schaffen und welche Folgen wird es haben? Die nachhaltige Planung sieht nach den Spielen die Nutzung als Wohnraum vor. Wird das Gebiet nach Olympia als Wohnraum nutzbar sein und angenommen werden? Werden Menschen dort wohnen wollen, wo mit viel Lärm gearbeitet wird? Auch das Thema Verdrängung wird Berücksichtigung finden müssen. Der Wohnraum wird nicht für jedermann erschwinglich sein.

Widmann schätzt die Chancen für Hamburg ebenfalls sehr gut ein. Viele brennen bereits für die Umsetzung und es gibt viele Fürsprecher und Unterstützer wie die Otto Group oder Miniatur Wunderland.

Aus dem Publikum wurden Vergleiche zu München vor Olympia und danach angestellt mit deutlich positivem Ergebnis für die Entwicklung Münchens. Auch der Motivationsfaktor für jugendliche Sportler sei hoch einzuschätzen. Viele freuten sich auf wunderbare Spitzensportler und tolle Spiele. Kritische Stimmen gab es zu der Anbindung des Süden Hamburgs. Es sei doch sehr unwahrscheinlich, dass mit Olympia gelänge, was zuvor mit allen anderen Maßnahmen missglückte.

Hamburg bekommt mit der Bewerbung die Chance, während des Zeitraums des Verfahrens, international auf sich aufmerksam zu machen und seinen Bekanntheitsgrad und sein Ansehen zu steigern. Selbst wenn es am Ende vielleicht nicht reichen sollte, die Spiele nach Hamburg zu holen, so wäre das trotzdem eine Marketingmaßnahme von wirtschaftlich hohem Wert gewesen.

Ich war vor dieser Veranstaltung PRO HAMBURG und ich bin es danach immer noch. Ich halte die kreative Berliner Kultur im Vergleich zum kaufmännisch geprägten und vor allem erfahrenen Hanseaten nicht für wettbewerbsfähig. Ich teile die Meinung von Herrn Seifert, es geht bei den Spielen nicht um Sport, Olympia ist ein Geschäft. Und wie man Geschäfte macht, dass ist dem Hanseaten einfach in die Wiege gelegt.

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